DIE BILANZFLUENCER

BMW und VW –

Zwei Gesichter einer Krise

In ihrer zweiten Kolumne zeigen die Bilanzfluencer am Beispiel des Abschlusses der VW AG und der BMW AG, dass dieselbe Krise zwei verschiedene «Bilanzgesichter» haben kann.

 

Die Bilanzfluencer

Bilanzen erzählen Geschichten, und wie man diese Geschichten verständlich macht, zeigen die Bilanzfluencer in ihrem monatlichen Podcast (u.a. YouTube, Spotify und Apple Podcast). Die besonderen Bijous aktueller Bilanzgeschichten präsentieren sie künftig unter dieser Kolumne im Standard.

Die Probleme der deutschen Automobilindustrie sind zurzeit in den Medien omnipräsent.

Interessant ist jedoch, dass sich die Krise insbesondere bei VW und BMW bilanziell völlig unterschiedlich niederschlägt, obwohl beide Unternehmen – ungeachtet ihrer unterschiedlichen Marktposition – vor vergleichbaren Herausforderungen stehen.

Während sich bei VW die operative Marge von nur noch 2.8 Prozent mehr als halbiert hat, scheint BMW mit einem vergleichsweise leichten Rückgang von 8.1 Prozent auf 7.6 Prozent ganz gut durch die Krise zu kommen.

Folglich war in der Berichterstattung bei VW ständig von «Einbruch» oder gar «Absturz» die Rede. Bei BMW fiel das Urteil weit gnädiger aus. So schrieb beispielsweise der Tagesanzeiger in seiner Ausgabe am 12. März 2026: «BMW vermeldet trotz anhaltender Krise robuste Zahlen».

Aber stimmt das wirklich? Oder hat da die Magie der Bilanzpolitik etwas nachgeholfen?

Um diesem Phantom auf die Schliche zu kommen, lohnt sich ein Blick in die Bereiche mit den grössten Ermessensspielräumen, wie insbesondere:

  • Gewährleistungsrückstellungen,
  • Restrukturierungsrückstellungen und
  • aktivierte Entwicklungskosten.

VW und BMW haben sich an genau diesen Positionen sehr unterschiedlich entwickelt: VW hat die Aktivierungsquote von Entwicklungskosten innerhalb von drei Jahren von 51.2 Prozent auf 48.1 Prozent gesenkt und damit mehr Entwicklungsaufwand im Ergebnis erfasst. BMW hat die Aktivierungsquote hingegen von 33.5 Prozent auf 41.2 Prozent gesteigert.

VW hat die Gewährleistungsrückstellungen um 2.3 Mrd. Euro bei leicht gesunkenem Umsatz deutlich erhöht. BMW hat den Gewährleistungsaufwand um 1.0 Mrd. EUR mehr als halbiert.

VW hat auf Firmenwerte und aktivierte Entwicklungskosten ausserplanmässige Abschreibungen von 4.2 Mrd. Euro vorgenommen. Bei BMW hingegen bestehen offensichtlich keine Gründe für eine ausserplanmässige Wertkorrektur.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Beide Abschlüsse genügen vollständig den IFRS und sind von ihren Abschlussprüfern mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen worden.

Gleichwohl fällt die Diskrepanz der unterschiedlichen «Bilanzgesichter der Automobilkrise» auf. Während VW offensichtlich seine Verhandlungsposition mit dem Betriebsrat über den geplanten Stellenabbau nicht mit zu guten Ergebnissen gefährden wollte, hat BMW scheinbar alles unternommen, seinem scheidenden CEO Oliver Zipse noch eine harmonische letzte Hauptversammlung zu bescheren.

Epilog: Der neue Chef von BMW hat jetzt im ersten Halbjahr 2026 das gemacht, was wohl jeder an seiner Stelle gemacht hätte: die Aktivierungsquote von Entwicklungskosten absenken, aktivierte Entwicklungskosten wertberichtigen, ein Restrukturierungsprogramm in dreistelliger Millionenhöhe auflegen und die Jahresprognose wegen der schlechten Aussichten senken.

Das Schöne an Bilanzen ist: Richtig gelesen erzählen sie nicht nur eine Geschichte über die Vergangenheit, sondern auch über die Zukunft.

 

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