RECHNUNGSLEGUNG

Die Konzernrechnung bei KMU –

Zweck, Anforderungen und Herausforderungen

Die Konzernrechnung ist längst auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ein wichtiger Bestandteil der Rechnungslegung. Sie bildet die wirtschaftliche Gesamtlage der Unternehmensgruppe ab und dient dem Verwaltungsrat sowie Banken und Investoren als zentrale Grundlage für Beurteilung, Überwachung und Entscheidungsfindung.

 

Die Konzernrechnung ist nicht nur ein In-strument grosser internationaler Konzerne. Auch KMU agieren in Konzernstrukturen mit Tochtergesellschaften im In- und Ausland. Dadurch stellt sich für ein KMU die Frage, wann und wie eine Konzernrechnung zu erstellen ist und welchen Mehrwert sie bietet.

Ziel ist es, die gesamte Unternehmensgruppe als ein einziges Unternehmen darzustellen. Die Einzelabschlüsse der Konzerngesellschaften werden zusammengefasst und konsolidiert, um eine wirtschaftliche Einheit darzustellen.

Die Konzernrechnung vermittelt ein deutlich aussagekräftigeres Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage als die Abschlüsse der rechtlich selbstständigen Einzelgesellschaften einzeln betrachtet. Diese Transparenz ist insbesondere für Banken und Investoren von zentraler Bedeutung.

Gerade für KMU ist die Konzernrechnung zugleich Chance und Herausforderung: Einerseits erhöht sie Transparenz und Vergleichbarkeit, andererseits erfordert sie zusätzliche organisatorische, fachliche und zeitliche Ressourcen.

1. Rechtliche Grundlagen nach Schweizer Obligationenrecht (OR)

Gemäss Art. 963 OR ist ein Unternehmen zur Erstellung einer Konzernrechnung verpflichtet, wenn es ein oder mehrere Unternehmen beherrscht. Eine Beherrschung liegt insbesondere vor, wenn:

  • die Mehrheit der Stimmen gehalten wird,
  • die Mehrheit der Mitglieder des Leitungs- oder Verwaltungsorgans bestimmt werden kann oder
  • aufgrund von Statuten, Verträgen oder faktischer Macht ein beherrschender Einfluss besteht.

Das Obligationenrecht sieht jedoch Erleichterungen für KMU vor. Eine Konzernrechnung ist nicht erforderlich, wenn zwei der folgenden drei Grössenkriterien konsolidiert betrachtet in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren nicht überschritten werden:

  • Bilanzsumme von CHF 20 Mio.
  • Umsatzerlös von CHF 40 Mio.
  • 250 Vollzeitstellen im Jahresdurchschnitt

Zudem kann auf die Konzernrechnung verzichtet werden, wenn die Gruppe von einem Unternehmen kontrolliert wird, dessen Konzernabschluss nach schweizerischen oder gleichwertigen ausländischen Vorschriften erstellt und ordentlich geprüft wird. Schutzklauseln greifen jedoch, wenn die Verhältnisse besonders komplex sind oder bestimmte Anteilseigner dies verlangen.

2. Anzuwendende Rechnungslegungsstandards

Bei der Erstellung einer Konzernrechnung stellt sich die Frage nach dem geeigneten Rechnungslegungsstandard. In der Schweiz kommen insbesondere folgende Standards infrage:

  • Obligationenrecht (OR)
  • Swiss GAAP FER
  • IFRS (bei KMU selten, meist bei grösseren internationalen Gruppen)

Vor allem kleinere Konzerne wenden das OR an, da es geringere Anforderungen und mehr Gestaltungsspielraum bietet – beispielsweise lässt es Spielraum bei der Harmonisierung der Abschlüsse.

Swiss GAAP FER eignet sich für Unternehmen, die Wert auf klare Regeln und eine hohe Vergleichbarkeit legen («true and fair view»). Die Grundsätze von Klarheit, Wesentlichkeit und Wirtschaftlichkeit stehen dabei im Vordergrund.

Banken und Investoren bevorzugen häufig Swiss GAAP FER, da damit die Qualität und Verständlichkeit der Berichterstattung steigt.

3. Konsolidierungsschritte und -methoden

Der Konsolidierungsprozess folgt standardisierten Schritten:

  1. Festlegung des Konsolidierungskreises: Es wird bestimmt, welche Gesellschaften nach welcher Methode einbezogen werden. Beherrschte Gesellschaften werden voll konsolidiert. Assoziierte Gesellschaften werden nach der Equity-Methode, Gemeinschaftsunternehmen entweder nach der Equity-Methode oder anteilsmässig (Quotenkonsolidierung) konsolidiert. Beteiligungen unter 20 Prozent gelten in der Regel als Finanzinstrumente und werden nicht konsolidiert.
  2. Harmonisierung der Abschlüsse: Die einzubeziehenden Unternehmen werden – in der Regel auf Stufe Tochtergesellschaften – nach konzerneinheitlichen Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen angepasst. Zudem erfolgt eine Währungsumrechnung für alle Unternehmen, die ihre Buchhaltung nicht in der Konzernwährung führen.
  3. Konsolidierung: Als letzter Schritt erfolgt die Konsolidierung, welche insbesondere folgende Elemente umfasst:
    • Summierung von Aktiven und Passiven
    • Eliminierung von Beteiligungen gegen Eigenkapital
    • Eliminierung konzerninterner Transaktionen, Forderungen und Verbindlichkeiten
    • Eliminierung konzerninterner Gewinne

Die konsolidierten Daten bilden die Grundlage für die Konzernrechnung und werden im Anhang durch zusätzliche Angaben und Erläuterungen ergänzt.

4. Typische Herausforderungen für KMU

In der Praxis sind KMU mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert:

  • Datenqualität und Prozesse: Unterschiedliche Kontenpläne und Bewertungsregeln erschweren die Konsolidierung. Zudem wird die systematische Aufbereitung der Anhangangaben oft vergessen.
  • Fachliche Komplexität: Themen wie Goodwill, Zwischengewinneliminierung, latente Steuern, Fremdwährungen oder Minderheitsanteile erfordern spezialisiertes Know-how.
  • Ressourcen und Kosten: Die Erstellung verursacht zusätzlichen Aufwand und Kosten – etwa für interne Ressourcen oder externe Beratung und Prüfung.

Für KMU ist daher ein vorausschauendes und strukturiertes Vorgehen essenziell.

5. Mehrwert der Konzernrechnung für KMU

Trotz des Aufwands bietet die Konzernrechnung für KMU zahlreiche Vorteile:

  • Bessere Entscheidungsgrundlagen dank konsolidierter Finanzdaten
  • Verbesserte Vergleichbarkeit über die Jahre hinweg
  • Erhöhte Transparenz für Verwaltungsrat, Investoren, Banken und Geschäftspartner
  • Höhere Professionalität in der Finanzberichterstattung, speziell bei Wachstum oder Internationalisierung

Gerade bei Finanzierungen, Nachfolgeregelungen oder Firmenverkäufen ist eine fundierte Konzernrechnung ein wichtiger zusätzlicher Erfolgsfaktor.

6. Fazit

Die Konzernrechnung ist für KMU mehr als eine rechtliche Pflichtübung – sie ist als strategischer Mehrwert zu verstehen. Das Schweizer Recht ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen pragmatische Lösungen, dennoch lohnt sich die Investition in eine aussagekräftige Berichterstattung. Entscheidend sind eine gute Planung, klare Prozesse und ein Ansatz, der auf die Grösse und Komplexität abgestimmt ist. So lässt sich die Konzernrechnung auch für KMU effizient und zukunftssicher umsetzen.

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