PERSÖNLICH
SwissAccounting Suisse Romande – vormals Swisco – hat dem Namenswechsel im vergangenen Jahr einstimmig zugestimmt. Damit treten erstmals alle Sprachregionen unter einer gemeinsamen Marke auf. An der Spitze der Romandie steht David Tramaux. Der 48-jährige diplomierte Experte in Rechnungslegung und Controlling erklärt, weshalb der Schritt mehr ist als ein Rebranding, wo die Unterschiede zur Deutschschweiz liegen – und warum der «grosse Bruder» in der Deutschschweiz zwar als Vorbild dient, die Romandie im Milizsystem jedoch gelassen ihren eigenen Weg geht.
Interview: Dieter Pfaff und Bettina Kriegel I Fotos: Patric Spahni
Lieber David, du bist seit 2022 Präsident von SwissAccounting Suisse Romande – wo setzt du aktuell deine wichtigsten Hebel an?
Ein zentrales Projekt war für uns im vergangenen Jahr die vollständige Überarbeitung des «Handbuchs für Finanzen und Controlling», das zuletzt vor rund 15 Jahren aktualisiert wurde. Der Aufwand war erheblich, aber das Werk bietet für unsere Studierenden im Hinblick auf die eidgenössischen Prüfungen einen grossen Mehrwert. Insgesamt umfasst das praxisorientierte Handbuch 95 Prüfungsthemen im Format A4. Wir sind überzeugt, dass dieses Werk zu noch besseren Resultaten beitragen wird.
(Anmerkung der Redaktion: Bei den Erstkandidatinnen und -kandidaten lag die Erfolgsquote 2026 in der Berufsprüfung in der Westschweiz bei 54,1 Prozent, in der Deutschschweiz bei 65,4 Prozent.)
In einem nächsten Schritt wollen wir unsere Sichtbarkeit in der Romandie gezielt erhöhen, um neue Mitglieder zu gewinnen. Gleichzeitig bauen wir unser Angebot an Seminaren und Weiterbildungen weiter aus – insbesondere in enger Zusammenarbeit mit SwissAccounting in der Deutschschweiz.
Kein einfaches Unterfangen – die Bereitschaft, sich in Vereinen und Verbänden zu engagieren, ist rückläufig. Wobei sich euer Mitgliederbeitrag ebenfalls in einem moderaten Rahmen bewegt ...
Ja, der Mitgliederbeitrag beträgt aktuell in der Romandie CHF 170. Im Geschäftsbericht 2025 weisen wir 1276 Mitglieder aus.
Wenn du den Verband in drei Worten beschreiben müsstest: Welche wären das – und warum genau diese?
Fachkompetenz: Wir verstehen uns klar als Fachspezialisten und nicht als Generalisten.
Ausbildung: Die Förderung und Weiterentwicklung unserer Bildungsangebote steht im Zentrum unserer Tätigkeit.
Rechtsschutz: Wir setzen uns aktiv für den Schutz unserer Titel ein und gehen konsequent gegen deren missbräuchliche Verwendung vor. Wir müssen jedes Jahr ein bis zweimal reagieren und entsprechende Schreiben verfassen.
Swisco ist Geschichte – jetzt SwissAccounting Suisse Romande. Hand aufs Herz: Ist das nur ein Rebranding oder steckt ein echter strategischer Richtungswechsel dahinter?
Es ist definitiv mehr als nur eine Namensänderung. Mit dem neuen Auftritt hat sich unsere Zusammenarbeit mit SwissAccounting deutlich intensiviert. Das eröffnet uns konkrete Möglichkeiten – etwa bei der Organisation von Vorbereitungskursen für die Prüfungskandidatinnen und -kandidaten oder beim Zugang zu Fachpublikationen und Übersetzungen.
Gleichzeitig bleiben wir organisatorisch eigenständig. In der Romandie arbeiten wir nach wie vor im Milizsystem, während SwissAccounting in der Deutschschweiz über eine professionelle Geschäftsstelle verfügt. Genau diese Kombination ist für uns wertvoll: Wir profitieren von der Professionalität des «grossen Bruders», behalten aber unsere Flexibilität und Nähe zu den Mitgliedern. Künftig kann ich mir auch eine engere Zusammenarbeit im Bereich Ausbildung vorstellen.
Du sitzt mit uns im gleichen Boot – aber rudert ihr auch im gleichen Takt? Wo liegen die grössten Unterschiede?
Wir können nicht im gleichen Tempo agieren. In der Romandie arbeiten wir – wie bereits erwähnt – im Milizsystem. Unser Vorstand besteht aus Berufsleuten, die sich neben einem Vollzeitpensum engagieren. Dabei stossen wir naturgemäss an unsere Grenzen. Unser Anspruch ist deshalb nicht, das Tempo der Deutschschweiz eins zu eins mitzugehen, sondern in die gleiche Richtung zu arbeiten und die Entwicklung aktiv mitzutragen.
Existiert der viel zitierte «Röschtigraben»? Sind Accountants in der Romandie anders «gestrickt» als in der Deutschschweiz – fachlich, kulturell oder im Mindset?
Fachlich gibt es keine Unterschiede – Buchhaltung bleibt Buchhaltung: Soll muss gleich Haben sein. Kulturell hingegen zeigen sich Unterschiede. In der Romandie sind wir stärker von einer lateinischen Kultur geprägt, was sich in der Herangehensweise und im Mindset widerspiegelt. Das führt zu einer anderen, oft etwas flexibleren Perspektive.
Was kann die Romandie konkret von der Deutschschweiz lernen – und umgekehrt?
Die Romandie kann von der strukturierten und konsequenten Herangehensweise der Deutschschweiz profitieren. Umgekehrt kann die Deutschschweiz von der Gelassenheit und Flexibilität der Westschweiz lernen.
Wenn du nach vorne blickst: Welche drei Themen werden die Accounting-Branche in der Romandie in den nächsten Jahren dominieren?
Künstliche Intelligenz (KI) wird eine zentrale Rolle spielen – viele Anwendungen stehen erst am Anfang. Zudem gewinnt die Datenanalyse weiter an Bedeutung. Und schliesslich wird die Automatisierung von Prozessen in der Finanzfunktion nochmals deutlich zunehmen. Trotz dieser Entwicklung bin ich überzeugt, dass der Mensch weiterhin eine zentrale Rolle spielen wird.
Wie positioniert sich SwissAccounting Suisse Romande konkret, um hier nicht nur zu reagieren, sondern aktiv mitzugestalten?
Wir setzen vor allem auf praxisnahe Weiterbildungsangebote und Seminare zu aktuellen Themen. Dabei stossen wir allerdings auch an Grenzen – insbesondere bei der Gewinnung geeigneter Referentinnen und Referenten. Dennoch ist es unser Ziel, diese Themen frühzeitig aufzugreifen und unseren Mitgliedern zugänglich zu machen.
Wir sind gerade daran, eine Broschüre zum Thema Datenmanagement zu erstellen – vorerst in deutscher Sprache. Geplant ist, dass diese ebenfalls auf Französisch und Italienisch übersetzt wird.
Das begrüsse ich sehr. Das Thema Datenmanagement beschäftigt unsere Mitglieder stark und gewinnt weiter an Bedeutung. Entsprechend gross ist das Interesse an praxisnah aufbereiteten Inhalten. Umso wichtiger ist es, dass solche Publikationen in allen Sprachregionen zugänglich sind. Eine Übersetzung ins Französische und Italienische wird dazu beitragen, den Mehrwert dieser Broschüre für die gesamte Organisation zu erhöhen – und wird von unseren Mitgliedern in der Romandie sicherlich sehr geschätzt.
Viele Verbände kämpfen um Aufmerksamkeit – warum sollte sich heute jemand bewusst für SwissAccounting entscheiden?
Weil SwissAccounting der einzige Verband ist, der die zentralen Berufsabschlüsse im Finanz- und Rechnungswesen vereint – von der Fachprüfung bis zum Expertendiplom. Genau diese Bündelung macht den Verband für unsere Berufsgruppe besonders relevant. Eine Mitgliedschaft ist der logische Schritt nach Abschluss der Ausbildung – mit Fachausweis oder Diplom.
Ihr bietet kostenlose Vorbereitungskurse für angehende Expertinnen und Experten sowie Fachleute im Finanz- und Rechnungswesen an. Werden diese Angebote so genutzt, wie ihr euch das vorgestellt – oder bleibt Potenzial liegen?
Die Angebote werden sehr gut genutzt – besser, als ich ursprünglich erwartet hatte. Ich hatte selbst die Gelegenheit, eine Sequenz als Dozent zu leiten, und war positiv überrascht, wie viele Teilnehmende dabei waren und wie gut sie vorbereitet sind.
Die Kurse bieten zudem eine wertvolle Standortbestimmung: Die Teilnehmenden erhalten eine Einschätzung, ob ihr Wissensstand für ein erfolgreiches Bestehen der Prüfungen ausreicht.
Die neuen Titelzusätze «Professional Bachelor» und «Professional Master» sind beschlossen. Wird das die Attraktivität der Ausbildungen im Accounting spürbar erhöhen – gerade auch für den Nachwuchs?
Ja, davon bin ich überzeugt. Heute dominieren Begriffe wie «Bachelor» und «Master» die Wahrnehmung von Bildung – Fachausweis und Diplom sind für viele nicht verständlich. Mit den neuen Titelzusätzen werden unsere Ausbildungswege sichtbarer und besser vergleichbar.
Gerade im internationalen Kontext ist das ein Vorteil. Ich arbeite in einer Grenzregion und erlebe häufig, dass HR-Verantwortliche aus dem Ausland unsere Abschlüsse nicht einordnen können. Hier schafft die Angleichung der Bezeichnungen mehr Klarheit.
Was tust du persönlich dafür, dass junge Talente sagen: «Genau dort will ich dabei sein»?
Ich versuche nicht, jemanden aktiv zu überzeugen. Ich zeige vielmehr auf, welche Möglichkeiten die dualen Ausbildungswege im Accounting bieten.
Am Ende ist es eine Frage der persönlichen Affinität: Entweder entdeckt man während der Ausbildung ein echtes Interesse an Zahlen und Zusammenhängen – oder eben nicht. Und genau diese intrinsische Motivation ist entscheidend.
SwissAccounting in der Deutschschweiz hat im vergangenen Jahr mit Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 Jahren einen Workshop durchgeführt und wichtige Erkenntnisse gewonnen. Dieses Konzept wird nun in Kooperation mit TREUHAND|SUISSE und EXPERTSuisse auch in der Westschweiz sowie in Bern und Zürich umgesetzt. Was hältst du davon?
Die Erfahrungen zeigen, dass bei jungen Menschen nach wie vor gewisse Mythen über die Berufe im Finanz- und Rechnungswesen bestehen. Initiativen wie jene von SwissAccounting leisten hier einen wichtigen Beitrag, indem sie die verschiedenen Berufsbilder transparent machen und ein realistisches Bild vermitteln. Solche Formate sind aus meiner Sicht sehr wertvoll und könnten auch für die Romandie interessant sein.
David Tramaux ist seit 2022 Präsident von SwissAccounting Suisse Romande. Er ist diplomierter Experte in Rechnungslegung und Controlling und engagiert sich insbesondere für die Weiterentwicklung der dualen Bildung im Accounting.
Seit Juni 2024 ist er als CFO bei HIFI FILTER in Cernier tätig – und damit in derselben Gemeinde, in der er auch lebt: im Val-de-Ruz im Kanton Neuenburg. Das international tätige Unternehmen mit rund 900 Mitarbeitenden ist auf Filtrations- und Separationslösungen für mobile Geräte und industrielle Anwendungen spezialisiert.
Privat ist David Tramaux Vater von 17-jährigen Zwillingen und findet seinen Ausgleich am liebsten in den Bergen – auf Skitouren oder mit dem Rennrad und Mountainbike.
Ein kurzer Blick zurück: Wo kommst du her – und hattest du als Kind schon einen Bezug zu Zahlen oder ganz andere Träume?
Von Buchhaltung habe ich als Kind sicherlich nicht geträumt (lacht). Ich habe mich für das KV entschieden und meine Lehre in einem Treuhandbüro absolviert. Schon damals hatte ich in der Schule zwei Lieblingsfächer: Buchhaltung und Informatik.
Weil ich mich nicht festlegen wollte, begann ich ein Studium an einer Fachhochschule. Doch schon nach kurzer Zeit wurde mir klar, dass mir Finanzen und Rechnungswesen besonders liegen. Deshalb habe ich diesen Weg konsequent weiterverfolgt – zunächst mit dem Fachausweis und später mit dem Diplom als Experte.
Irgendwann hatte ich genug von der minutiösen Zeiterfassung im Treuhandwesen und wechselte in die Industrie. Heute arbeite ich als CFO bei HIFI FILTER in Cernier, einem international tätigen Unternehmen mit rund 900 Mitarbeitenden, das sich auf Filtertechnik spezialisiert hat.
Du bist stolzer Vater von 17-jährigen Zwillingen und wir haben gehört, dass deine Tochter letztes Jahr mit dem KV begonnen hat. Wie hast du sie von diesem Weg überzeugt und wie kannst du sie fürs Accounting begeistern?
Die duale Bildung ist für mich ein grosser Vorteil unseres Systems in der Schweiz. Auch mein Sohn hat sich für eine Lehre entschieden – er ist angehender Automatiker.
Beim KV bin ich überzeugt, dass es eine sehr solide Grundlage bietet. Es ist ein Berufsfeld mit langfristigen Perspektiven und hoher Stabilität – auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten. Zudem sind die Entwicklungsmöglichkeiten im Accounting sehr attraktiv, nicht zuletzt auch in Bezug auf die Entlöhnung. Das sind Argumente, die bei jungen Menschen durchaus Gehör finden.
Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview mit David Tramaux ist auch auf Französisch verfügbar.