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Im Gespräch mit Caroline Loosli, dipl. Expertin in Rechnungslegung und Controlling «Immer auf den Punkt, aber nie zu spät»

Geschrieben von SwissAccounting | Sep 23, 2026, 6:15:03 AM

PERSÖNLICH

Im Gespräch mit Caroline Loosli, dipl. Expertin in Rechnungslegung und Controlling

«Immer auf den Punkt, aber nie zu spät»

Caroline Loosli mag es, Chancen zu ergreifen und an neuen Aufgaben zu wachsen. Beruflich macht dies die 35-Jährige in der Neo One AG in Bassersdorf. Wie sich die Rolle einer CFO und HR-Leiterin mit Unternehmensentwicklung, einem Verwaltungsratsmandat, mit Sportschiessen und einem Cocker Spaniel kombinieren lässt, zeigt sich im folgenden Gespräch.

Die Schweiz bekam es diesen Sommer mit einer heftigen Hitzewelle zu tun. Mal vom Wetter abgesehen – was bringt Caroline Loosli ins Schwitzen?

Nicht wirklich vieles. Ich habe Erfahrung in verschiedenen Gebieten, Aufgaben und Herausforderungen gesammelt, sodass mich so rasch nichts ins Schwitzen bringen kann. Allerdings kommt es vor, dass ich mich sehr tief in eine Arbeit stürze. Wenn deutlich mehr Zeit als vorgesehen verstreicht, treibt mich das schon etwas in die Enge. Das Zeitmanagement gehört nicht zu meinen allergrössten Stärken (lacht). Zu meiner Ehrenrettung: Ich halte Termine und Deadlines ein. «Just in time» ist wohl einfach mein Naturell – immer auf den Punkt, aber nie zu spät.

Wie kam es zum beruflichen Weg von der Hotellerie bis zur Finanzwelt?

Logische Schulfächer wie die Mathematik lagen mir immer gut, während die sprachliche Begabung eher bescheiden war. Trotzdem sah ich mich selber nie in einem Büro. Ich wollte etwas mit Menschen, mit den Händen, etwas Extrovertiertes machen. Auf Empfehlung begann ich die Hotelhandelsschule, ohne gleich zu realisieren, dass das eine kaufmännische Grundbildung ist (lacht). Doch auch da: Das Rechnungswesen ging mir leicht von der Hand und machte Spass. In der Buchhaltung muss man die Materie verstehen, statt sie auswendig zu lernen. Ich entschied mich deshalb für das Treuhandwesen als nächstes Betätigungsfeld.

Direkt nach der Grundausbildung hast du in etlichen Branchen gejobbt. Welche Erfahrungen aus dieser Zeit prägen dich bis heute?

Der Praxisrucksack ist gut gefüllt, ich kann an Erfahrungen auch ausserhalb meiner Kernkompetenzen anknüpfen. Zum Beispiel, um ein Catering für einen Event zu organisieren oder die Logistik zu unterstützen, wenn es um Einfuhrverzollungen geht. Das Menschenbezogene der Hotellerie und Gastronomie ist besonders für den HR-Bereich wertvoll. Und alles zusammen hilft mir, einen Betrieb verstehen zu können. Aber grundsätzlich bleibt Buchhaltung eben Buchhaltung. Es braucht keine Spezialisierung auf eine Branche – ich muss einfach in meinem Job gut sein. Das macht meinen Beruf so schön, dass wir diese Vielfalt haben und eigentlich in jeder Branche arbeiten können. Je nach Unternehmen kommen ein paar Besonderheiten hinzu, wie die Frage der Rechnungslegung nach IFRS oder OR, vielleicht auch Vorschriften aus einem GAV.

Du bist bei Neo One seit Anfang 2025 CFO und HR-Leiterin in Personalunion und zudem Mitglied der Geschäftsleitung. Was reizt dich am Zusammenspiel von Finanzen, Personal und Führung?

Die Zusammenlegung dieser zwei Fachbereiche ist kein Klassiker, für die Unternehmensentwicklung jedoch eine nachhaltige Kombination. Als CFO bin ich die Verwalterin eines Unternehmens und mit Sozialversicherungen, Arbeitsrecht oder Löhnen vertraut, die einen sehr starken Bezug zum HR haben. In der Welt der KMU erhält die HR-Position nicht immer das Gewicht, das sie haben müsste, doch wer sind wir als Unternehmen ohne unsere Mitarbeitenden? Durch meine Berufserfahrung habe ich verschiedene Führungsarten, Recruitingprozesse und Einarbeitungsphasen erlebt, was meinen Blick geschärft hat, was ich als gutes HR empfinde. Mein offenes Naturell, meine Hands-on-Mentalität, die Erfahrung und die Einblicke in verschiedene Unternehmen und Branchen helfen mir sicher, die beiden sehr unterschiedlichen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen. Aber es bleibt eine Herausforderung, denn Menschen sind definitiv nicht so gut kalkulierbar wie die Zahlen (lacht).

Dein Lebenslauf lässt vermuten, dass du Herausforderungen eher suchst als meidest. Trifft das zu?

Ich mag Herausforderungen und ergreife die Chancen, die sich bieten. Das führte zum Beispiel dazu, dass ich zwei Verwaltungsratsmandate betreut habe oder dass ich auch Start-ups zur Seite stehe, die besonders in den Anfangsphasen eine offene, ehrliche und einfache Beratung brauchen. So stieg ich auch 2018 noch vor der Gründung bei meinem Arbeitgeber Neo One in einem kleinen Teilzeitpensum ein und bin heute Mitglied der Geschäftsleitung. Herausforderungen und wahrscheinlich auch ein bisschen mein Selbstanspruch haben dazu geführt, wo ich heute stehe. Mein Werdegang fühlte sich immer richtig an und ich habe jeden Tag wahnsinnig Freude an allem, was ich mache.

Kann man in einem Verwaltungsrat die CFO-Brille tatsächlich ablegen und sich auf die strategischen Fragen beschränken?

Ich erlebe das als ziemlich schwierig. Bei mir als CFO vermischen sich das strategische Denken und die operative Kompetenz. Ich kenne zu jeder Zahl die Hintergründe – was im Verwaltungsrat nicht der Fall ist. Ich kann nur überprüfen, ob die Zahlen Sinn machen und konsistent zu dem sind, was im Verwaltungsrat besprochen wurde. Als Learnings aus fünf Jahren Verwaltungsrat nehme ich mit: Eine Mitgliedschaft im Verwaltungsrat macht mehr Arbeit, als man meint. Die Dimension der Verantwortung und Verpflichtung wird gerne unterschätzt; auch in die eigenen Rechte muss man sich einarbeiten. Also ziemlich genau das, was wir im Experten-Lehrgang immer wieder diskutiert hatten (lacht).

Welche Gründe führten dazu, dass du nach der Grundbildung und den Lehrgängen im Treuhandwesen beschlossen hast, dich zur Expertin in Rechnungslegung und Controlling weiterzubilden?

Die Arbeit im Treuhandbereich war auf Breite ausgelegt, inklusive Steuern, Revision und Unternehmensberatung, aber auch mit Sozialversicherungen, HR-Themen sowie Rechtsfragen. Ich wollte mich noch weiter auf die Finanzen spezialisieren, dieses Gebiet vertiefen und mir zusätzliches Fachwissen erarbeiten. Es ging mir mehr ums Lernen als um den Abschluss. Nun habe ich das Diplom in der Tasche, sodass sich Funktion und Bildung auf einer vergleichbaren Stufe befinden. Der Intensivlehrgang war tough, aber auch eine sehr wertvolle Erfahrung – fachlich wie menschlich.

Meines Erachtens erhöhen Aus- und Weiterbildungen die Lebenszufriedenheit. Wie siehst du das?

Das kann ich unterschreiben, das Lernen bereichert dich, es macht ebenso zufrieden wie die damit verbundenen Erfolge. Ich bin glücklich und stolz über das Erreichte; das Experten-Diplom ist ein Meilenstein. Glücklich machen mich zudem die kleinen Momente im Alltag, die ich für mich persönlich als Erfolg verbuchen kann. Und auch über die viele Freizeit, die ich nach den Prüfungen zurückgewonnen habe, freue ich mich sehr. Man merkt erst hinterher so richtig, wie viel Zeit und Energie man investiert hat. Darüber wieder verfügen zu können, ist schön.

Welchen fachlichen Gewinn hast du aus dem Experten-Lehrgang gezogen?

Vom Verknüpfen der Fachgebiete profitiere ich am Arbeitsplatz enorm. Um ein Unternehmen entwickeln und weiterbringen zu können, um die Zahlen zu verstehen und mit ihnen arbeiten zu können, muss alles Wissen zusammenfliessen. So ist zum Beispiel keine Fusion ohne Berücksichtigung der Steuern möglich. Das vernetzte Denken und auch die Vielseitigkeit – ich denke ans Marketing im Studienplan – stehen bei der Weiterbildung zu Expertinnen und Experten in Rechnungslegung und Controlling hoch im Kurs. Auch an den Prüfungen. Die Fallstudie war eine echte Challenge (lacht), aber eine gute und wichtige Erfahrung.

Wechseln wir das Thema und werfen einen Blick auf ein spannendes, vielleicht auch etwas ungewöhnliches Hobby. Wie hast du deine Leidenschaft für das Sportschiessen entdeckt?

Mein Vater hatte eine Pistole aus seiner Militärzeit zu Hause, die er nach dem Dienst jedoch nie mehr benutzte. Ich hatte grossen Respekt vor dieser Waffe, war aber gleichzeitig fasziniert und neugierig. Deshalb besuchte ich einen Pistolen-Grundkurs in einem Schiessverein und fand dabei Gefallen an diesem Sport. Ich spreche wohlgemerkt vom Scheibenschiessen, bei dem Fokus, Ruhe und Genauigkeit im Vordergrund stehen. Heute ist die Pistole für mich ein Sportgerät, dem ich mit dem nötigen Respekt begegne – aber nicht mit Angst.

Nützt dir das Schiessen etwas im Beruf? Gibt es Parallelen?

Das Mentale und die Pulskontrolle sind im Schiesssport wahnsinnig wichtig. Es geht um Fokussierung, um Konzentration, um Zielorientierung. Schweifen die Gedanken ab, sieht man das sofort am Resultat. Ich setze zur Einstimmung auf ein Mantra, das mir auch in jeder anderen anspruchsvollen Situation helfen kann.

Sportlicher Wettkampf und schulische Prüfung scheinen sich zu ähneln?

Das ist so. Im Sport lernt man, mit Nervosität, Fehlern und Eigenheiten umzugehen. Man blendet jede Ablenkung aus und ist ganz bei sich selber. Ich habe geübt, ich «stehe», ich weiss, was ich kann, und will das zeigen. Diese Anspannung mag ich, weshalb ich mich auch auf die Expertenprüfung gefreut hatte. Lustigerweise gelang sie mir um einiges besser als die Vorprüfung. Sobald es zählt, kann ich mich steigern.

Du hast deinen Vater angesprochen, der 2025 leider verstorben ist und dich zur Willensvollstreckerin bestimmt hatte. Was hat diese Aufgabe, was hat dieses Jahr mit dir gemacht?

Auf emotionaler, zeitlicher und fachlicher Ebene war das eine sehr intensive Zeit. Mein Vater war Anwalt für Zivilrecht und ist selber häufig als Willensvollstrecker eingesetzt worden. Er hat mir diese Aufgabe anvertraut und zugetraut, also habe ich das auch getan. Ich weiss heute sehr viel besser, wie unsere Systeme funktionieren und wie gut es ist, wenn – wie bei meinem Vater – für den Fall der Fälle vorgesorgt und möglichst vieles geregelt ist. Das kann ich allen nur empfehlen.

Mit dem Tod deines Vaters bist du Hundehalterin geworden. Wie war es, die Verantwortung für ein Haustier zu übernehmen?

Wir brachten es nicht übers Herz, den siebenjährigen Cocker Spaniel meines Vaters wegzugeben, den ich seit seinen ersten Lebenswochen kenne. Ich bin dankbar, dass wir uns für ihn entschieden haben, obwohl mein Alltag einem Hund nicht gerecht wird. Unter der Woche lebt er deshalb in einer Pension, wird dort toll betreut, spielt viel und scheint «de Plausch» zu haben. Das Wochenende verbringt er mit mir und meinem Partner in einem eher ruhigen Setting.

Mir ist klar geworden, weshalb du im Vorgespräch die Vorfreude auf etwas Pause und Entspannung betont hast ... Was hast du vor?

Vor zehn Jahren war ich schon einmal länger weg, um mich in einer Auffangstation für Geparden in Südafrika zu engagieren. Auf diese Weise lässt sich ein Land mit seiner Kultur ganz anders erleben, als wenn man es nur bereist. Das sind unbezahlbare Erfahrungen. Ich werde auch dieses zweite Sabbatical mit einem Volunteer-Projekt verbinden. Was genau und wo genau, wird sich noch weisen.

Und nun zur Frage aller Fragen: Was hat dich bewogen, Mitglied von SwissAccounting zu werden?

Das bin ich noch gar nicht (lacht), werde es aber umgehend nachholen. In meiner Funktion und Position ist es sehr wichtig, gut vernetzt zu sein. Da die Ausbildung und die Verwaltungsratsmandate abgeschlossen sind, gibt es Platz für Neues.

Vielen Dank für das Gespräch!

Nach ihrer Ausbildung in der Hotellerie baute Caroline Loosli (35) ihre Karriere in verschiedenen Branchen – darunter Gastronomie, Logistik, Handel und Treuhand – kontinuierlich aus. Neben ihrer fachlichen Kompetenz im Finanz- und Rechnungswesen sammelte sie breite Erfahrung in der Unternehmensführung, im HR sowie in der Prozessoptimierung.

Seit der Gründung der Neo One AG im Jahr 2018 begleitete sie das Unternehmen zunächst in einem Teilpensum. Dabei verantwortete sie die Finanzen und das HR und beriet den Verwaltungsratspräsidenten und Inhaber in strategischen Entwicklungsfragen. Seit März 2025 arbeitet sie in einem 100-Prozent-Pensum als CFO und Leiterin HR bei der Neo One AG. In dieser Funktion verantwortet sie zusätzlich die Unternehmensentwicklung und Prozessoptimierung als Mitglied der Geschäftsleitung. Die Neo One AG ist ein renommiertes ICT-Dienstleistungsunternehmen, das KMU und Grossunternehmen in allen Fragen der IT begleitet und für innovative Lösungen steht.

Neben ihrer beruflichen Tätigkeit war Caroline Loosli mehrere Jahre als Verwaltungsrätin aktiv. Zudem engagiert sie sich als Pistolenschützin und Schützenmeisterin in einem Schiessverein und nimmt regelmässig an kantonalen Wettkämpfen teil.

Nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Expertendiploms plant sie im Herbst eine kurze Auszeit für Reisen und ehrenamtliche Projekte, bevor sie die nächsten Entwicklungs- und Wachstumsschritte der Neo One AG mitgestalten wird.